Ist
ja sowas von wohltuend!!!


     

 

Osterlachen

 

OSTERLACHEN

Osterlachen (lateinisch risus paschalis) bezeichnet den Brauch, in der Predigt an Ostern die Gottesdienstgemeinde zum Lachen zu bringen. In einigen Regionen war es vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.

Der Grundgedanke des Osterlachens war, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig symbolisiert das Osterlachen die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus "verschluckt" hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist.



'risus paschalis
Gedanken zum alten Brauch des Osterlachens

Verfasser: Reinhard Röhrner, Kaplan und Stadtjugendseelsorger

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Offenes lautes Lachen in der Kirche? Für unsere Ohren klingt das unangebracht. Die Kirche wird als ruhiger sakraler Raum durch Lachen in unangemessener Weise gestört, wollte man vielleicht einwenden. Dennoch war der Brauch des Osterlachens - risus paschalis (lat. risus meint nicht nur ein freundliches Lächeln, sondern durchaus ein 'Lachen von Herzen') - über Jahrhunderte fester Bestandteil des österlichen Brauchtums.
Je nach eigenem Gusto war es sowohl für Kleriker wie Laien eine Freude oder auch eine Last. Der Prediger versuchte auf mehr oder weniger gekonnte Weise das Volk im Schiff zum Lachen zu bringen. Dabei wurden - wie uns Bemerkungen von Abraham a Santa Clara, einem Wiener Hofprediger, vermuten lassen - nicht nur fromme Witze auf der Kanzel gerissen, sondern durchaus auch eher schlüpfrige Andeutungen und Geschichten erzählt. Von Abraham a Santa Clara selbst erzählt man sogar, daß er es geschafft habe während einer Predigt eine Kirchenhälfte zum Weinen und die andere durch Gesten und Mimik zum Lachen gebracht zu haben.

Das Osterlachen war seit dem 14. Jahrhundert übers Barock bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein eine beliebte Möglichkeit auf lustige Art auch ein wenig Kritik an der einen oder anderen Sache zu üben. Heute erleben wir eine ähnliche Sache vielleicht in manchen Faschingspredigten am Sonntag vor Aschermittwoch.

Warum aber nun in der Osterzeit? Das Osterlachen könnte man als eine Art ganzheitlicher Glaubenserfahrung bezeichnen, nach der Devise: Wer lacht, spürt Lebenslust und ist - so die Hoffnung damaliger Kleriker - empfänglicher für die Osterbotschaft, die den Sieg des Lebens über den Tod, Befreiung und Erlösung der Menschen in Jesus Christus verheißt. Das Lachen lockert die Muskeln und stimmt das Gemüt empfänglicher. Nachrichten, die wir mit heiterer Erfahrung verbinden, nehmen wir lieber in unseren Alltag auf.

Die Auferstehung Christi, erklärt der Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel, läßt sich als „Ausdruck von Gottes Gelächter über den Tod" verstehen. Liturgie und Lachen müßten sich keineswegs ausschließen. Auch wenn kirchliche Autoritäten heute in vielen Fragen „nicht den geringsten Spaß" verstünden und unter Christen „mehr gezittert und gezetert als gelacht wird".

Dennoch rief das Osterlachen von Anfang an auch Kritiker auf den Plan. Strenge Protestanten und Aufklärer bekämpften vermeintliche Auswüchse des frommen Spaßes. Das barocke Lebensgefühl hingegen zeigte sich tendenziell offen für dergestaltige Clownereien. Die Jesuiten schafften hier auch unmittelbare Übergänge hin zum sakralen Theaterspiel. Für Pfarrer war dieser Brauch auch ein willkommenes Geschenk an ihren Vorgesetzten Kritik zu üben und ihrem Ärger Luft zu machen, weshalb auch katholische Obrigkeiten hin und wieder eingeschritten sein sollen.

Vom Ende des 17. Jahrhunderts an wurden die humoristischen Einlagen seltener. Im 18. und 19. Jahrhundert konnten sich nur noch die "Ostermärlein" halten. Skurril- humorige Geschichten, die das Herz der Gläubigen für Gottes Wort öffnen sollten. Doch auch diese Anekdoten blieben schließlich aus. Ein Regensburger Erlaß von 1853 verbannte „Fabeln, gereimte Dichtungen und Obskures" aus den Predigten. Das Ende des österlichen Lachens - für viele, Laien wie Geistliche, eine Erlösung. ;-)

Der Grundgedanke, die Osterfreude offen und 'mit Körpereinsatz' zu verkünden, wäre vielleicht auch heute wieder eine Überlegung wert. Die Erlösung betrifft den ganzen Menschen, mit Leib und Seele. So sollte auch die Verkündigung des Geheimnisses der Erlösung offen und mit Freude in die Welt getragen werden. Vielleicht sähen wir dann auch wieder erlöster aus, ein Halleluja, das jemand nur mühsam hervorbringt, reißt eben selten einen anderen Menschen vom Hocker. Ein beherztes Hallel für unseren Gott ist auch eine Form frommen Lachens.

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Quelle:www.spiritualitaet.de

http://www.roehrner.de/



Fröhlich sein,

Gutes tun

Und die Spatzen pfeifen lassen

Don Bosco


 

Predigt zum Thema "Osterlachen"

Kreisliturgie in Görslow am Schweriner See


Liebe österliche Gemeinde!

Es gibt eine Seligpreisung von Jesus im Lukasevangelium, die uns überhaupt nicht bekannt ist und uns staunen lässt:
Selig sei ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.
Lachen und Weinen – wie nah es beieinander liegt!
Doch halt! Lk 6: Hier weinen – dort lachen. War das nicht gerade die berechtigte Kritik von Karl Marx am Christentum? Die Ver-tröstung aufs jenseits, Opium des Volkes?
Ja, aber das Hier und Dort ist zugleich auch ein Schon und Nochnicht. Weil Jesus Angst und Tod überwunden hat, können auch wir auf unsere Angst und auf den Tod schauen – und la-chen.
Es ist die Gleichzeitigkeit unserer christlichen Existenz. Im Lachen, in den kurzen Augenblicken, begegnet uns das Heilige, dieser Urstrom der Lebendigkeit. Und Ostern ist dafür das Unter-pfand.
Als mich vergangene Woche eine Freundin anrief und in fas-sungsloser Traurigkeit vom Sterben ihrer Schwester berichtete, da dachte ich: Ist dieser Gottesdienst über das Osterlachen vielleicht zynisch?
Ich will Sie deshalb heute Morgen teilhaben lassen an meiner Entdeckung, wie ich zu diesem Thema „Osterlachen“ kam. Im Bücherschrank meiner Mutter fand ich ein kleines Heft, das noch mit Genehmigung der Militärregierung in München gedruckt war, also gleich nach 1945. Es hat den Titel „Und Gott lacht….“ Es ist die Predigt von Willem-Eicke den Hertog, eines jüngeren hol-ländischen Pfarrers, von der Gestapo verhaftet und nach Dachau verschleppt. In der Kapelle des Blockes 26, des Pfarrerblocks, der als Gottesdienstraum diente. Nur Geistliche beider Konfessionen hatten Zutritt. Trotz Verbot nahmen auch andere teil. Am Abend des Ostermontags 1944 hielt er diese Predigt: „Und Gott lacht …“ Das Lachen Gottes in dem auferstandenen, lebendigen Herrn leuchtet über uns.
Aus den Tagebuchblättern des Häftlings Nr, 16921 wissen wir, welch großen Eindruck diese Osterpredigt auf die Zuhörer mach-te.
Da ich z. Zt. keine Angst und keinen Tod in meiner Umgebung erlebe, will ich also einfach die Gedanken der Predigt wiederge-ben. Der holländische Pastor im KZ ist auf jeden Fall authentisch und nicht zynisch!

Wie Gott von sich aus den Ostermorgen gegeben hat als die größte Überraschung denen, die nichts mehr hofften und erwar-teten. Maria Magdalena hatte geweint. Jesus fragt: Frau, warum einst du? Sie war zu spät gekommen trotz ihrer Liebe zu Jesus. In Jesu Tod war alles zunichte geworden, worauf sie und die ande-ren der Jesusbewegung gehofft hatten. Und Jetzt: Der im Him-mel wohnet, lacht! im Psalmwort: Gott lacht derer, die ihn spot-ten.
Das Lachen Gottes kommt auf Maria zu, indem Jesus ihr begeg-net. Und jetzt erfährt sie: Gott hat mir ein Lachen zugerichtet. Auch dies ein Wort aus der Bibel: Sara sagt es, als sie wider alles Erwarten doch schwanger wird. Gott lacht das gute und herrliche Lachen des Vaters, der den verlorenen Sohn in seine Arme schließt, das gute und herrliche Lachen der Nachbarinnen und Freundinnen, die sich über den wieder gefundenen Groschen freuen. Gott lacht das gute und herrliche Lachen der Freude der Engel im Himmel.
Wo wir nur weinen konnten, wächst Gottes Lachen wunderbar.
Jesus, der Meister, der uns lachen lehrt am dritten Tage, mitten in unserem Elend und Tod, frei und unbekümmert lachen in der Gewissheit seines Sieges, in der Kraft seiner Auferstehung.

Da sind wir am dritten Tage in einer Welt ohne Gott, ohne Christus erfüllt von Hass und Neid, von Mord und Totschlag, von des Teufels Geist. Es ist alles zum Weinen, nur zum Weinen. Aber Gott schenkt uns am dritten Tage ein Lachen, so reich, dass wir es immer hören müssen und wieder hören: wie Gott lacht über uns, selig rettend, herrlich.

Diese trostreiche Botschaft hat Jesus Maria Magdalena in die Hände gelegt. Sie ist seine Gabe und Aufgabe zugleich. Sie soll nicht nur Trost empfangen, sondern auch spenden. Dieser Trost soll durch die ganze Welt gehen und überall, wo geweint wird oder wo die Zähne zusammengebissen werden, um nicht zu wei-nen, oder wo gelacht wird, weil man sonst weinen müsste, dort überall soll das Lachen Gottes hörbar werden.
Wenn Gott Ostern mit uns feiert, verschwinden unsere Schwie-rigkeiten. Da lachen wir unter Tränen.
Ja, mein Bruder, so predigt der junge Pfarrer im K. Z. Dachau, heute legt Gott seine Freude dir und mir ins Herz hinein. Heute lehrt Er uns lachen.

Denn am Ostermorgen hat Gott mir ein Lachen zugerichtet. Und ich darf die Freude weiter tragen als seine Gabe und Aufgabe in diesem schrecklichen Leben, in dieser tödlichen Welt im K. Z., bis einmal alles vorbei ist, - mit den Worten aus der Offenbarung -
und Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen,
und der Tod nicht mehr sein wird,
noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein wird.
Denn das wird alles vorübergehen.
Nur Gottes Lachen wird bleiben.
Der Anfang und das Ende.
Halleluja!

Soweit die Predigt am Ostermorgen 1944.

Sie wird uns, dessen bin ich ganz sicher, nicht loslassen und wird auch uns dazu ermutigen, unter Tränen zu lachen, weil Gott lacht. Und wenn wir nicht wissen, sollen wir lachen oder weinen, dann wird sich das Pendel zum Lachen neigen. Denn Jesus hat dem Leid, dem Tod die Macht genommen.

Und ich wünsche uns, dass uns das auch gelingen möge, was Ma-xim Gorki über Anatoli Durow sagte.
Dass wir Zauberer sein können, die in den vergifteten Brunnen der Traurigkeit einen Tropfen, nur einen einzigen Tropfen vom lebendigen Wasser des Lachens hinein gießen und diesen Brun-nen dadurch zum Kraft und Leben spendenden Heilquell ma-chen können.

Amen

Email
http://www.hanna-strack-verlag.de

 




Das sind die Starken, die unter Tränen lachen, eigene Sorgen verbergen und andere glücklich machen.

Franz Grillparzer




 

Vom "Osterlachen"

denn ihr werdet lachen...

denn ihr werdet lachen...

von Christine Vollmer Al-Khalil, Theologin

Diese Seligpreisung aus dem Lukasevangelium ist wie ein Hoffnungsfunke und eine Verheissung am Karfreitag, die sich an Ostern erfüllt. Die Freude der ersten Christinnen und Christen darüber, dass der Tod Jesu nicht das Ende seines Wirkens ist, sondern der Übergang zu einem neuen Leben, gab dem Christentum die Sprengkraft, sich trotz widrigster Umstände zu verbreiten. Osterfreude ist Lebensfreude, die ihren ganzheitlichen Ausdruck im Lachen findet. So bezeichnet der Theologe Karl-Josef Kuschel die Auferstehung Christi als „Ausdruck von Gottes Gelächter über den Tod“.

´Osterlachen´
In der Kirche wurde das ´Osterlachen´ seit dem 14. Jahrhundert zu einem Brauch, um der Osterfreude nach der Fastenzeit ein wenig auf die Sprünge zu helfen: Die Person, die im Ostergottesdienst predigte, versuchte mit manchem frommen oder weniger frommen Witz das Kirchenvolk zum Lachen zu bringen, denn: wer lacht, spürt Lebenslust und ist empfänglicher für die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Das Osterlachen bot auch die Möglichkeit, auf humorvolle Weise ein wenig Kritik an der einen oder anderen kirchlichen Sachlage zu üben.

Humor in der Kirche und besonders im Gottesdienst sahen und sehen aber nicht alle Beteiligten in gleicher Weise als angebracht, besonders wenn es nicht nur um ein freundliches Lächeln, sondern um ein herzhaftes Lachen geht (der lateinische Begriff für Osterlachen, ´risus paschalis´ bedeutet soviel wie ´österliches herzhaftes Lachen´). Ernsthaftigkeit und Sakralität würden dadurch gestört.

Innere Heiterkeit
Wie können wir dann aber die Seligpreisung aus dem Lukasevangelium verstehen? Um welchen Humor und um welches Lachen geht es? Es geht sicher nicht um eine Art Fun, Klamauk und Tollerei, mit der sich Menschen angesichts einer bedrückenden und hoffnungslosen Welt in die Zerstreuung und in Illusionen flüchten; sondern es geht um eine innere Heiterkeit, die der Welt mit ihrer Gebrochenheit und ihren Fehlschlägen nahe ist, ohne sich von ihr absorbieren und niederdrücken zu lassen. Diese Art von Humor ist eine Grundhaltung, die es uns ermöglicht, der Welt und dem eigenen Leben ins Gesicht zu schauen und gleichzeitig eine Gelassenheit und gewisse Distanz zu bewahren.

Christliches Gottvertrauen
Der Grund jener inneren Gelassenheit ist das christliche Gottvertrauen, das sich selbst nicht als Mass aller Dinge versteht, sondern die eigene Sichtweise und das eigene Tun immer wieder relativieren kann mit Blick auf die uns übersteigende Gegenwart Gottes.

Thomas Morus hat uns schon im 16. Jahrhundert in einem überlieferten Gebet ein humorvolles Beispiel für sein Gottvertrauen gegeben:

„Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine heilige Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich ´Ich´ nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“

Ich wünsche allen ein frohes Osterfest, an dem sich die Verheissung der Seligpreisung aus dem Lukasevangelium erfüllen kann.

Quelle: http://www.kathbern.ch/index.php?na=5,0,0,38782,d

 

 



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